Freitag, 19. Dezember 2025

Break-even-Analyse in Excel – Gewinnschwelle berechnen und visualisieren

Die Break-even-Analyse ist eine der wichtigsten Geschäfts-Metriken! Sie zeigt: Wie viel musst du verkaufen um Gewinnschwelle zu erreichen?

Das Problem: Du startest ein neues Produkt/Projekt, aber weißt nicht:

  • Wie viele Einheiten müssen wir verkaufen um Kosten zu decken?
  • Ab wann macht das Projekt Gewinn?
  • Wie viel Umsatz brauchst du zum Break-even?
  • Wie ist die Sicherheitsmarge?

Die Lösung: Break-even Point berechnen mit Fixkosten, variable Kosten & Verkaufspreis!

In diesem Tutorial lernst du: Wie du Break-even analysierst, berechnest und visualisierst!


1. Break-even-Konzept verstehen

Die Formel:

Break-even Point (Menge) = Fixkosten / (Verkaufspreis - Variable Kosten pro Einheit) Break-even Point (Umsatz) = Break-even Menge × Verkaufspreis

Die Komponenten:

Komponente Definition Beispiel
Fixkosten Kosten die NICHT mit Menge variieren Miete, Gehälter, Versicherung
Variable Kosten Kosten PER Einheit Material, Versand pro Produkt
Verkaufspreis Was du PER Einheit verkaufst 10€ pro Produkt
Deckungsbeitrag Verkaufspreis - Variable Kosten 10€ - 4€ = 6€ pro Einheit
Der Deckungsbeitrag! Das ist die wichtigste Zahl – wie viel trägt jede Einheit zur Deckung der Fixkosten bei?

2. Praktisches Beispiel – Pizzeria

Szenario: Du eröffnest eine kleine Pizzeria

Deine Kosten & Preise:
Komponente Betrag
Fixkosten (monatlich) 5.000€ (Miete, Personal, Versicherung)
Variable Kosten (pro Pizza) 3€ (Teig, Sauce, Käse, Topping)
Verkaufspreis (pro Pizza) 12€
Deckungsbeitrag 12€ - 3€ = 9€ pro Pizza

Berechnung:
Break-even Menge = 5.000€ / 9€ = 555,56 Pizzas Break-even Umsatz = 555,56 × 12€ = 6.667€

Interpretation:
  • Du musst 556 Pizzas verkaufen um Kosten zu decken
  • Das ist ~18-19 Pizzas pro Tag (30 Tage/Monat)
  • Umsatz von ~6.667€ ist dein Break-even
  • Ab Pizza #557 machst du Gewinn!

3. Excel-Tabelle aufbauen

Aufbau:

Spalte A: Parameter
A1: "Fixkosten monatlich" B1: 5000 A2: "Variable Kosten pro Einheit" B2: 3 A3: "Verkaufspreis pro Einheit" B3: 12 A4: "Deckungsbeitrag" B4: =B3-B2 A5: "Break-even Menge" B5: =B1/B4 A6: "Break-even Umsatz" B6: =B5*B3

Szenario-Tabelle (Gewinn/Verlust):

Spalten für Sensitivitätsanalyse:
Menge Umsatz Variable Kosten Fixkosten Gesamtkosten Gewinn/Verlust
0 =A9*$B$3 =A9*$B$2 =$B$1 =C9+D9 =B9-E9
100 1.200€ 300€ 5.000€ 5.300€ -4.100€ ❌
400 4.800€ 1.200€ 5.000€ 6.200€ -1.400€ ❌
556 6.672€ 1.668€ 5.000€ 6.668€ 4€ ✅ (Break-even!)
600 7.200€ 1.800€ 5.000€ 6.800€ 400€ ✅
800 9.600€ 2.400€ 5.000€ 7.400€ 2.200€ ✅

4. Visualisierung – Break-even Diagramm

Das Break-even Diagramm ist extrem wertvoll für Präsentationen!

Was zeigt es?

Visuelle Darstellung:
Horizontale Achse: Menge verkauft (0-1000) Vertikale Achse: Kosten/Umsatz (€) Linien: 1. Fixkosten (horizontal bei 5.000€) 2. Gesamtkosten (steigend: Fixkosten + Variable Kosten) 3. Umsatz (steil steigend: Preis × Menge) Schnittpunkt = Break-even Point! 🎯

So erstellst du es:

Schritt 1: Daten vorbereiten
  • Spalte A: Mengen (0, 100, 200, ..., 800)
  • Spalte B: Umsatz (=A*Preis)
  • Spalte C: Fixkosten (konstant)
  • Spalte D: Gesamtkosten (=Fixkosten + Variable Kosten)

Schritt 2: Liniendiagramm erstellen
  1. Spalten A-D auswählen
  2. Einfügen → Diagramm → Liniendiagramm
  3. Achsen beschriften (Menge, €)
  4. Titel: "Break-even Analyse"

Schritt 3: Schnittpunkt markieren (Optional)
  • Vertikale Linie bei Break-even Menge
  • Beschriftung hinzufügen: "Break-even: 556 Einheiten"

5. Sicherheitsmarge – Wie viel Puffer hast du?

Break-even zu kennen ist nicht genug – du brauchst einen Sicherheitspuffer!

Sicherheitsmarge berechnen:

Formel:
Sicherheitsmarge % = (Erwartete Menge - Break-even Menge) / Erwartete Menge × 100%

Pizzeria-Beispiel:
  • Break-even Menge: 556 Pizzas
  • Erwartete Menge (realistisch): 700 Pizzas
  • Sicherheitsmarge = (700-556) / 700 × 100% = 20.6%

Interpretation: Umsatz kann um 20.6% fallen bevor du Verlust machst!
Faustregel: Sicherheitsmarge sollte mindestens 10-15% sein. Unter 5% = Zu riskant!

6. Fallstudie 1: Produktlaunch

Szenario: Du startest einen neuen SaaS (Software-as-a-Service) mit monatlichem Abonnement

Die Zahlen:
Komponente Monatlich
Fixkosten 25.000€ (Entwicklung, Hosting, Support)
Variable Kosten pro Nutzer 2€ (Server-Ressourcen, Support)
Abonnement-Preis 50€/Monat
Deckungsbeitrag 50€ - 2€ = 48€

Berechnung:
Break-even Nutzer = 25.000€ / 48€ = 520,8 Nutzer Break-even Umsatz = 520,8 × 50€ = 26.042€

Sicherheitsmarge:
  • Ziel: 1.000 zahlende Nutzer
  • Sicherheitsmarge = (1.000-521) / 1.000 = 47.9% ✅ (Sehr sicher!)

7. Sensitivitätsanalyse – Was wenn?

Die Realität ändert sich! Was passiert wenn Preise oder Kosten sich ändern?

2D Sensitivitätsanalyse:

Matrix: Wie ändert sich Break-even bei verschiedenen Szenarien?

Pizzeria: Break-even Menge bei verschiedenen Preisen & Kosten
Verkaufspreis ↓ / Variable Kosten → 2€ 3€ 4€
10€ 833 (10€-2€=8€) 625 (10€-3€=7€) 556 (10€-4€=6€)
12€ 556 (12€-2€=10€) 454 (12€-3€=9€) 385 (12€-4€=8€)
14€ 417 (14€-2€=12€) 357 (14€-3€=11€) 312 (14€-4€=10€)

Erkenntnis: Höhere Preise oder niedrigere Kosten = Schneller Break-even! 🎯

8. Best Practices & Tipps

Tipp 1: Sei realistisch mit Kosten

Unterschätze NICHT deine Fixkosten! Viele Gründer vergessen:
  • Nebenkosten, Versicherung, Steuern
  • Admin & Buchhaltung
  • Marketing & Vertrieb

Tipp 2: Variable Kosten genau tracken

Variable Kosten sind oft versteckt! Berechne wirklich ALLES pro Einheit!

Tipp 3: Regelmäßig neu berechnen

Break-even ist kein statisches Ziel! Bei jeder Preisänderung neu berechnen!

Tipp 4: Sicherheitsmarge einplanen

Plane nicht auf exakten Break-even – nutze 30-50% Sicherheitsmarge!

Tipp 5: Mit Szenarien arbeiten

Best-case, Realistisch, Worst-case → Für alle 3 Break-even berechnen!

9. Häufige Fehler & Lösungen

❓ F: Mein Break-even ist negativ/unmöglich!
A: Das passiert wenn Deckungsbeitrag zu klein ist:
Wenn Verkaufspreis < Variable Kosten → Negativ! Beispiel: Preis 5€, Variable 6€ → Jede Einheit = Verlust!
Lösung: Preis erhöhen oder Kosten senken!
❓ F: Break-even ist extrem hoch – ist das normal?
A: Das kann sein – abhängig von Geschäftsmodell:
  • SaaS: Kann 500+ Nutzer brauchen (hohes Break-even)
  • Einfacher Handel: Oft nur 1000-2000€ Umsatz
Frage: Ist es unrealistisch für dein Markt?
❓ F: Was wenn ich mehrere Produkte habe?
A: Zwei Optionen:
  • 1. Separater Break-even: Für jedes Produkt einzeln
  • 2. Gewichteter Durchschnitt: Mit Verkaufsmix berechnen
❓ F: Wie berücksichtige ich Inflation & Wachstum?
A: Erstelle Szenarien mit verschiedenen Annahmen:
Scenario 1: Stabile Preise & Kosten Scenario 2: +5% Kosten jährlich Scenario 3: +10% Preis möglich
Berechne Break-even für alle!

10. Deine nächsten Schritte

  1. Deine Kosten sammeln: Fixkosten und variable Kosten pro Einheit
  2. Verkaufspreis festlegen: Realistisch basierend auf Markt
  3. Break-even berechnen: Mit der Formel
  4. Deckungsbeitrag verstehen: Das ist dein Gewinn-Hebel!
  5. Excel-Tabelle aufbauen: Mit Parametern & Szenarios
  6. Diagramm erstellen: Liniendiagramm mit Umsatz/Kosten
  7. Sicherheitsmarge berechnen: Realistische vs. Break-even
  8. Sensitivitätsanalyse machen: Was-wenn Szenarien

Checkliste für dein Projekt

  • Ich verstehe die Break-even Formel
  • Ich kann Fixkosten vs. variable Kosten unterscheiden
  • Ich kenne den Deckungsbeitrag und seine Bedeutung
  • Ich kann Break-even Menge berechnen
  • Ich kann Break-even Umsatz berechnen
  • Ich verstehe Sicherheitsmarge
  • Ich kann Break-even Diagramme erstellen
  • Ich kann Sensitivitätsanalysen machen
  • Ich kann mehrere Szenarien (Best/Real/Worst) analysieren
  • Ich erstelle Break-even Analysen für echte Geschäftsprojekte

Mit Break-even Analysen planst du profitabel! 💰📊

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