Donnerstag, 18. Dezember 2025

ABC-Analyse in Excel – Die wichtigsten Kunden oder Produkte identifizieren

Die ABC-Analyse ist eine der wertvollsten Methoden für Priorisierung! Sie zeigt dir auf einen Blick: Wo solltest du deine Aufmerksamkeit konzentrieren?

Das Problem: Du hast hunderte Produkte/Kunden, aber welche sind wirklich wichtig?

  • Welche 20% der Kunden bringen 80% des Umsatzes? (Pareto-Prinzip)
  • Welche Produkte sind Geldmaschinen?
  • Wo solltest du Marketing-Budget investieren?
  • Wo könnte man sparen?

Die Lösung: ABC-Analyse! A=Top-20%, B=Mittel-30%, C=Rest-50%!

In diesem Tutorial lernst du: Wie du ABC-Analysen erstellt, visualisierst und umsetzt!


1. ABC-Analyse verstehen – Die Theorie

Was ist eine ABC-Analyse?

Eine statistische Methode um Dinge nach Wichtigkeit zu kategorisieren. Basierend auf dem Pareto-Prinzip (80/20 Regel).

Die 3 Kategorien:

Kategorie Anteil Items Anteil Wert/Umsatz Beispiel Maßnahme
A (Top) ~20% ~80% Top-Kunden, Best-Seller 🎯 Hochprio! VIP-Treatment!
B (Mittel) ~30% ~15% Gute Kunden, Solides Portfolio 📊 Standard-Prozesse
C (Rest) ~50% ~5% Kleine Kunden, Nischen-Produkte ⚙️ Automatisieren/Minimiert!
Die Erkenntnis: 80% des Wertes kommt von 20% der Items! → Konzentriere dich auf A!

2. Schritt-für-Schritt: ABC-Analyse erstellen

Schritt 1: Sortiere nach Wert (absteigend)

Deine Rohdaten:
Kunde Umsatz
Kunde A 15.000€
Kunde B 8.000€
Kunde C 25.000€

Sortiert (nach Umsatz absteigend):
  1. Kunde C – 25.000€ ✅
  2. Kunde A – 15.000€
  3. Kunde B – 8.000€

So sortierst du:
  • Daten selektieren
  • Daten → Sortieren → Nach Umsatz absteigend

Schritt 2: Berechne kumulierte Werte

Laufende Summe (wie im Tutorial davor!):
=SUM($B$2:B2) (Kopiert nach unten)

Ergebnis:
Kunde Umsatz Kumulativ
Kunde C 25.000€ 25.000€
Kunde A 15.000€ 40.000€
Kunde B 8.000€ 48.000€

Schritt 3: Berechne Prozentuale Anteile

Formel:
=Kumulativ / Gesamt-Umsatz =D2/$D$4 (Wenn D4 = Gesamt)

Ergebnis:
Kunde Umsatz Kumulativ % Kumulativ
Kunde C 25.000€ 25.000€ 52%
Kunde A 15.000€ 40.000€ 83%
Kunde B 8.000€ 48.000€ 100%

Schritt 4: Kategorisiere (A, B oder C)

Formel mit Wenn-Bedingungen:
=WENN(E2<=80%, "A", WENN(E2<=95%, "B", "C"))

Ergebnis:
Kunde Umsatz % Kumulativ Kategorie
Kunde C 25.000€ 52% A ✅
Kunde A 15.000€ 83% A ✅
Kunde B 8.000€ 100% B

3. Flexible Schwellwerte – Nicht immer 80/95%!

Die 80/95% sind Richtlinien, nicht in Stein gemeißelt!

Verschiedene Szenarien:

Szenario 1: Standardabteilung (80/95)
  • A = bis 80% kumulativ
  • B = 80-95%
  • C = 95-100%

Szenario 2: Sehr konzentrierte Geschäfte (70/90)
  • A = bis 70%
  • B = 70-90%
  • C = 90-100%

Szenario 3: Gleichmäßigere Verteilung (85/97)
  • A = bis 85%
  • B = 85-97%
  • C = 97-100%

Wie wählst du die richtige? → Teste mehrere & siehe welche für dein Business passt!

4. Fallstudie 1: Produktanalyse für E-Commerce

Szenario: Du hast 50 Produkte – welche bringen den meisten Umsatz?

Deine Analyse zeigt:
  • A-Produkte (6 Items = 12%): Bringen 82% Umsatz → Marketing-Budget hier!
  • B-Produkte (15 Items = 30%): Bringen 15% Umsatz → Standard-Lager
  • C-Produkte (29 Items = 58%): Bringen 3% Umsatz → Could discontinue?

Maßnahmen:
Kategorie Maßnahme
A (6 Produkte) Premium-Präsentation, Premium-Preis, Premium-Service
B (15 Produkte) Standard-Lager, Cross-Selling mit A
C (29 Produkte) Minimal Lager, Automatisierte Fulfillment, oder einstellen

ROI: Du sparst Zeit & Geld bei C-Produkten → Investierst mehr in A!

5. Fallstudie 2: Kundenanalyse für Support

Szenario: Dein Support hat zu viele Tickets – von welchen Kunden?

Deine Analyse zeigt:
  • A-Kunden (10 Kunden): 85% des Umsatzes → VIP-Support!
  • B-Kunden (30 Kunden): 14% des Umsatzes → Standard Support
  • C-Kunden (60 Kunden): 1% des Umsatzes → ChatBot/FAQ reicht

Neue Support-Strategie:
Kategorie Support-Level Response-Zeit Personal
A (10 Kunden) Premium 24/7 < 1 Stunde Dedicated Account Manager
B (30 Kunden) Standard < 24 Stunden Support-Team
C (60 Kunden) Self-Service < 72 Stunden ChatBot / FAQ

Resultat: Besserer Service für große Kunden, sparst bei kleinen!

6. Visualisieren – Pareto-Diagramm erstellen

Eine gute Visualisierung macht die ABC-Analyse sofort verständlich!

Klassisches Pareto-Diagramm:

Diagramm-Struktur (Kombi-Diagramm):
  • Säulen: Umsatz pro Kunde/Produkt (absteigend)
  • Linie: Kumulativer Prozentsatz (steigend bis 100%)
  • Grenzen: Vertikale Linien bei 80% & 95% (oder deine Schwellwerte)

So erstellst du es:

Schritt 1: Daten vorbereiten
  • Spalte A: Kunde/Produkt (sortiert nach Umsatz!)
  • Spalte B: Umsatz (absteigend)
  • Spalte C: Kumulativer Prozentsatz

Schritt 2: Kombi-Diagramm erstellen
  1. Spalten A-C auswählen
  2. Einfügen → Diagramm → Kombi (Säule + Linie)
  3. Säulen für Spalte B (primäre Achse)
  4. Linie für Spalte C (sekundäre Achse)

Schritt 3: Grenzen markieren (Optional aber wirksam!)
  • Horizontale Referenzlinien bei 80% & 95%
  • Oder farbliche Bereiche (A grün, B gelb, C rot)

7. Best Practices & Tipps

Tipp 1: Sortiere VOR der Analyse!

Fehler-Quelle #1: Daten nicht nach Wert sortiert = Falsche Ergebnisse!

Tipp 2: Wähle die richtige Metrik

Nicht immer Umsatz!
  • Umsatz → Finanzielle Wichtigkeit
  • Häufigkeit → Kundenzufriedenheit (A = meiste Bestellungen)
  • Gewinn → Rentabilität (A = beste Marge)
  • Beschwerde-Häufigkeit → Problem-Produkte (C = meiste Probleme!)

Tipp 3: Schwellwerte testen

Nicht die starren 80/95%! Test mehrere:
  • 70/90% (sehr konzentriert)
  • 80/95% (Standard)
  • 85/97% (gleichmäßiger verteilt)

Tipp 4: Regelmäßig aktualisieren!

ABC-Klassifizierung ändert sich über Zeit → Monatlich/Quartalsweise neu analysieren!

Tipp 5: Mit Bedingte Formatierung markieren

A-Produkte grün, B gelb, C rot → Optisch sofort erkennbar!

8. Häufige Fehler & Lösungen

❓ F: Meine ABC-Kategorien passen nicht zu 80/95%!
A: Das ist OK! Die Prozentsätze sind nur Richtlinien:
Wenn deine Daten 60/85% ergeben → Nutze diese als Schwellwerte!
Regel: Kalibriere nach deinem Geschäft!
❓ F: Ich habe gleich viele A und C Produkte – was stimmt nicht?
A: Deine Daten sind zu gleichmäßig verteilt (nicht Pareto-verteilt)!
  • Das kann sein: Perfekt legitimiert!
  • Oder: Falsche Metrik → Versuche Gewinn statt Umsatz
  • Oder: Falsche Schwellwerte → 85/97% versuchen
❓ F: Wie oft sollte ich die ABC-Analyse machen?
A: Abhängig von Geschäft:
  • Schnell-Beweging (E-Commerce, Food): Monatlich!
  • Mittel (SaaS, B2B): Quartalsweise
  • Stabil (Langzeit-Verträge): Jährlich
❓ F: Kann ich ABC-Analyse auf mehrere Dimensionen anwenden?
A: JA! Fortgeschritten aber möglich:
Nach Umsatz UND Häufigkeit kombinieren: - Hoher Umsatz + Häufig = Superstar! - Hoher Umsatz + Selten = Cash Cow - Niedriger Umsatz + Häufig = Problem-Produkt

9. Deine nächsten Schritte

  1. Daten sammeln: Kunden/Produkte mit Umsatz
  2. Sortieren: Nach Umsatz absteigend
  3. Kumulativ berechnen: Mit SUM($A$2:A2)
  4. Prozentsätze: /Gesamtbetrag
  5. Kategorisieren: Mit WENN Formeln
  6. Visualisieren: Pareto-Diagramm
  7. Actionieren: Strategie pro ABC-Klasse

Checkliste für dein Projekt

  • Ich verstehe das Pareto-Prinzip (80/20)
  • Ich kenne die 3 ABC-Kategorien
  • Ich weiß warum Sortieren essentiell ist
  • Ich kann kumulierte Werte berechnen
  • Ich kann prozentuale Kumulationen berechnen
  • Ich kann ABC-Kategorien mit Formeln zuweisen
  • Ich verstehe flexible Schwellwerte (nicht nur 80/95%)
  • Ich kann Pareto-Diagramme erstellen
  • Ich kann ABC-Analyse auf verschiedene Metriken anwenden
  • Ich erstelle ABC-Analysen in echten Geschäfts-Projekten

Mit ABC-Analysen identifizierst du deine Top-Prioritäten! 🎯

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